Das Deutsche Krankenhausinstitut (DKI) hat zum Ende des vergangenen Jahres das aktuelle Krankenhaus Barometer vorgestellt. In der Repräsentativbefragung deutscher Krankenhäuser werden jährlich aktuelle gesundheits- und krankenhauspolitische Themen betrachtet, um Krankenhäusern und Krankenhausverbänden Informationen zum aktuellen Krankenhausgeschehen zur Verfügung zu stellen. Nach den Ergebnissen der Vorjahre war es zu erwarten: Viele Krankenhäuser kämpfen ums wirtschaftliche Überleben, die Situation bleibt dramatisch. Auch im Ausblick wird kaum eine Besserung der wirtschaftlichen Lage erwartet; die anstehende Krankenhausreform sorgt hier sogar für zusätzliche Unruhe in den Krankenhäusern.

„Die Ergebnisse des aktuellen Krankenhaus Barometers sind alarmierend und ernüchternd zugleich. Die wirtschaftliche Situation unserer Kliniken hat einen historischen Tiefpunkt seit Einführung des Fallpauschalensystems vor mehr als 20 Jahren erreicht. Wenn zwei Drittel der Krankenhäuser rote Zahlen schreiben, bedroht das die Existenz der Häuser und schränkt ihre Möglichkeiten für notwendige Investitionen in Modernisierung und Digitalisierung ein. Wir steuern sehenden Auges auf eine Situation zu, die dramatische Auswirkungen auf die Krankenhauslandschaft in Deutschland haben wird. Die Folgen werden auch für die Patientinnen und Patienten spürbar sein“, findet der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Dr. Gerald Gaß, deutliche Worte. Für ihn ist die Schieflage der Kliniken das Ergebnis jahrelanger mangelhafter Finanzierung bei gleichzeitig politisch induzierten Kostensteigerungen durch immer neue und höhere Anforderungen vor allem im Bereich der Personalvorhaltung. Er fordert die Bundesregierung auf, endlich eine stabile und verlässliche Finanzierungsgrundlage zu schaffen und überbordende Bürokratielasten sowie nutzlose Personalvorgaben zu reduzieren. „Die Kliniken müssen heute politisch gewollt etwa 20 Prozent mehr ärztliches und 30 Prozent mehr pflegerisches Personal einsetzen, um die Patientenversorgung aufrecht erhalten zu können, ansonsten drohen Sanktionen und Erlösausfälle. Die Kosten in unserem Gesundheitswesen können mit Sicherheit um zehn Prozent niedriger liegen, wenn sich die Politik auf ihre grundlegenden Aufgaben beschränken und darauf verzichten könnten, ständig neue Struktur- und Personalvorgaben ohne Evidenz für eine bessere Patientenversorgung zu erfinden.“

Einschätzungen der wirtschaftlichen Lage im Detail

Zwei Drittel der deutschen Allgemeinkrankenhäuser (ab 100 Betten) haben 2024 finanzielle Verluste geschrieben, nur knapp ein Viertel konnte einen Jahresüberschuss ausweisen; der Rest bewegte sich im Bereich eines ausgeglichenen Ergebnisses. Damit hat sich die wirtschaftliche Perspektive erneut eingetrübt, der Anteil der Häuser mit Jahresfehlbeträgen ist um 5 Prozentpunkte gestiegen, derer mit positiver Bilanz um 7 Prozentpunkte gefallen. Die Ergebnisse haben sich vor allem in kleinen Krankenhäusern überproportional verschlechtert.

Für das Jahr 2025 erwarten die Krankenhäuser ebenfalls eine angespannte wirtschaftliche Lage und eine erneut deutliche Verschlechterung im Vergleich zum Vorjahr. Voraussichtlich wird der Anteil mit Verlusten auf Jahressicht auf etwa 70 Prozent ansteigen; Überschüsse werden nur noch 14 Prozent ausweisen. Die Einschätzung der wirtschaftlichen Situation insgesamt fällt dementsprechend ebenfalls sehr negativ aus: Für 70 Prozent ist die Lage eher unbefriedigend, nur 6 Prozent sehen sie als eher gut.

Für 2026 (zum Erhebungszeitraum Anfang 2025, also weit im Voraus, mit einem beschlossenen Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) und einer Krankenhaustransformationsfonds-Verordnung (KHTFV) inmitten der politischen Abstimmung) sind die wirtschaftlichen Erwartungen über alle Hausgrößen hinweg deutlich weniger eingetrübt. „Nur“ 44 Prozent gehen von einer weiteren Verschlechterung und immerhin 13 Prozent von einer Verbesserung der Situation aus, ein großer Anteil der Krankenhäuser ist in dieser Hinsicht unentschieden. Die Studie ist auch konkret auf bereits spürbare Auswirkungen der Krankenhausreform eingegangen: Einerseits wird die Planungssicherheit, zum Beispiel in Bezug auf die Fallzahlentwicklung und die Verfügbarkeit finanzieller Mittel, als eingeschränkt bewertet, andererseits werden Investitionen in bauliche Veränderungen, in Medizintechnik und in betriebliche Organisation und Prozessanpassungen kaum zurückgestellt (geringfügige Zustimmung zu entsprechenden Fragen).

Mehrere Ärztinnen und Ärzte sind in der Klinik im Gespräch oder lesen Patienteninformationen.

Ambulante Leistungserbringung

Nach Vorstellungen des Bundesgesundheitsministeriums werden bis 2030 zwei Millionen (ab 2026 mindestens eine Million) bislang vollstationär behandelte Fälle über die Hybrid-DRG gesteuert (sektorenübergreifende Vergütungsform, die unabhängig von ambulanter oder stationärer Leistungserbringung eine einheitliche Pauschale vorsieht), da im internationalen Vergleich noch zu viele Behandlungen stationär erfolgen. Ambulantisierungspotenziale sollen so in den kommenden Jahren gehoben werden, unter anderem auf dafür notwendige Umstrukturierungen wird von verschiedenen Seiten hingewiesen. Heute schon zeigen sich große Herausforderungen in der finanziell positiven Ausgestaltung der wirtschaftlichen Tätigkeit, so geben rund 70 Prozent der befragten Krankenhäuser an, dass die Abrechnung der Hybrid-DRG derzeit die Kosten kaum deckt. Das verschärft die ohnehin angespannte finanzielle Lage und unterstreicht den erheblichen Handlungsbedarf bei der Umsetzung des neuen Vergütungssystems.

Das Krankenhaus Barometer belegt, dass die ambulante Versorgung (vor- und nachstationäre Behandlung, ambulantes Operieren und ambulante Notfallversorgung) bereits fester Bestandteil der Krankenhaustätigkeit ist – flächendeckend etabliert und mit steigender Tendenz. In Übereinstimmung mit den BGM-Zielvorstellungen erwarten die Versorger, dass die Fallzahlen im Hybrid-DRG-Bereich in den kommenden Jahren stetig wachsen. Angesichts dessen wurde auch abgefragt, wo Krankenhäuser derzeit Hybrid-DRG-Leistungen erbringen: 94 Prozent noch in den bisherigen, stationär ausgerichteten Krankenhausstrukturen. Etwa die Hälfte nutzt jedoch bereits ambulante OP-Zentren, ein Drittel Medizinische Versorgungszentren (MVZ), ein Viertel Ambulanzen und 15 Prozent Tageskliniken. Die beiden Erstgenannten werden dabei weiter an Bedeutung gewinnen. Echte sektorenübergreifende Versorgungseinrichtungen spielen dagegen auch künftig kaum eine Rolle.

Die Umstellung erfordert Struktur- und Prozessanpassungen in unterschiedlichen Bereichen. Jeweils mehr als jedes dritte Haus hat daher bereits ein spezifisches Erlösmanagement oder eine gezielte Patientensteuerung (bereits im Vorfeld der Erbringung) eingeführt; der Rest befindet sich diesbezüglich in Planung oder Umsetzung. Begründet durch die Intention sind strukturelle und personelle Maßnahmen deutlich seltener umgesetzt: Eine räumliche Trennung der ambulanten Eingriffe vom stationären Betrieb und ein stärker kostenorientierter Personaleinsatz werden zumindest bei mehr als der Hälfte geplant, gerade umgesetzt oder sind es schon. Mehrheitlich außer Acht gelassen werden hingegen eine vollständige räumliche Trennung vom stationären Geschehen (68 Prozent) oder signifikante bauliche Maßnahmen (72 Prozent).