Die gematik entwickelt und betreibt die Telematikinfrastruktur (TI) für das Gesundheitswesen. Zielsetzung ist es, Grundlagen für digitale und vernetzte Anwendungen zu schaffen, die die medizinische Versorgung verbessern, den Alltag erleichtern und Ressourcen effizienter einsetzen. Zu dieser digitalen Infrastruktur, auf deren Basis sich Praxen, Krankenhäuser, Apotheken und andere Leistungserbringer vernetzen, gehören beispielsweise die elektronische Patientenakte (ePA) und das elektronische Rezept (E-Rezept). Der gematik-TI-Atlas ist die größte Studie zur Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen. Auf Basis einer breiten quantitativen Befragung gibt die gematik nun bereits zum fünften Mal umfangreiche Einblicke in den Stand der Durchdringung und Nutzung der bestehenden Telematikinfrastruktur und zeigt Bereiche auf, in denen noch Handlungsbedarfe bestehen. Vorgestellt werden repräsentative Ergebnisse zur ePA, dem E-Rezept und zur Entwicklung der TI in der Pflege.
Für Gesundheitsversorger wird die Digitalisierung selbstverständlich und TI-Anwendungen entfalten ihren Mehrwert. Die Infrastruktur-Anwendungen werden im Versorgungsalltag standardmäßig genutzt, zunehmend auch in der Pflege (nach einer Erprobungs- und Übergangsphase sind seit Juli 2025 alle Pflegeeinrichtungen zur Anbindung an die TI verpflichtet). Die Mehrheit der Leistungserbringenden erwartet, dass sich die Versorgungsqualität dadurch verbessert, da relevante Informationen zur richtigen Zeit verfügbar sind und Prozesse effizienter ablaufen. Die sektorübergreifende Zusammenarbeit zwischen den Berufsgruppen wird besser aufeinander abgestimmt und erleichtert. Die Anwender beschreiben die Infrastruktur-Anwendungen als fest etabliert und sie fühlen sich in der Nutzung sicher. Zugleich wird jedoch deutlich, dass auch weiterhin Verbesserungsbedarf besteht, beispielsweise bei der Nutzung und Aufklärung über TI-Potenziale.

Die elektronische Patientenakte
Die gematik stellt eine große Offenheit für die ePA fest, auch schon vor dem Start der verpflichtenden Nutzung zum Herbst vergangenen Jahres. Die Bekanntheit ist hoch und bis September geben drei Viertel der Einrichtungen an, die ePA zu nutzen; ein Drittel bereits regelmäßig. Wiederum ein Drittel dieser regelmäßigen Nutzer erlebt eine Verbesserung der medizinischen Behandlung. Und drei Viertel der Apotheken, die zum Zeitpunkt der Erhebung schon mit der ePA gearbeitet haben, konnten dank der Akte mögliche Risiken frühzeitig erkennen und eine bessere Beratung gewährleisten.
Die Mehrheit der Leistungserbringenden bewertet die erste Nutzung der ePA überwiegend positiv: Das ePA-Modul in der jeweiligen Praxissoftware ist benutzerfreundlich, praxisnah und mit wenigen Klicks bedienbar, und der Betrieb ist stabil und zuverlässig. Besonders den Apotheken gelingt die Integration in die Arbeitsabläufe und sowohl in der ambulanten als auch in der stationären Versorgung berichten Leistungserbringende bereits von positiven Effekten. Die Erfahrungen hängen jedoch stark vom jeweiligen Software-Hersteller ab; erste Verbesserungen kamen bereits und je nach Anbieter wird weiterhin an der Optimierung gearbeitet.
Die gematik sieht darin die Bestätigung: Die Mehrwerte der ePA sind sowohl für die Bevölkerung als auch die Leistungserbringenden im Gesundheitswesen erlebbar, die Einführung wird mehrheitlich begrüßt und mit zunehmender Verbreitung in der vernetzten Versorgung wird die ePA noch mehr an Bedeutung gewinnen.
Ein anderes, deutlich kritischeres Bild zeichnet die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), nach deren Kenntnissen drei Viertel der Praxen technische Störungen beim Dokumenten-Upload oder dem Zugriff auf die digitalen Akten erleben. Aktuell führt die KBV eine bundesweite Online-Befragung zur Praxistauglichkeit und praktischen Aspekten der täglichen Arbeit durch, um mit den Ergebnissen konkrete Verbesserungen anstoßen zu können. Die KBV plant, mit den Erkenntnissen sowohl an die Hersteller der Praxissoftware als auch an politische Entscheidungsträger heranzutreten. Besondere Aufmerksamkeit gilt entsprechend der Integration in die Praxisverwaltungssysteme. Dr. Sibylle Steiner, Vorstandsmitglied der KBV, betont gegenüber der Ärzteschaft die Bedeutung der Teilnahme an der Befragung: „Ihr Feedback ist wichtig, um die elektronische Patientenakte praxistauglicher zu gestalten.“

Das E-Rezept
Das E-Rezept ist eine Erfolgsstory und sichtbar im Gesundheitsalltag angekommen: Die Zahl der eingelösten E-Rezepte wächst stetig, über 93 Prozent der gesetzlich Versicherten halten es für sinnvoll und 87 Prozent sind mit der Nutzung zufrieden. Auf der Seite der Gesundheitsanbieter sehen rund 70 Prozent der Praxen und 60 Prozent der Apotheken eine spürbar bessere Arzneimittelversorgung. Abläufe werden einfacher, schneller und verlässlicher. Die Digitalisierung der Rezepte führt in etwa der Hälfte der Arztpraxen zu Zeit- und bei jeder vierten zu Kostenersparnissen.
Mit wachsender Nutzung wird der Mehrwert des E-Rezepts immer greifbarer: klarere Abläufe und schnellerer Zugang, Qualität und Komfort in der Versorgung steigen. Binnen kurzer Zeit hat sich das E-Rezept etabliert und gehört inzwischen selbstverständlich zur Versorgung. Das zeigt, wie schnell sich neue digitale Routinen etablieren können. Mit dem Jahreswechsel startet nun der Roll-out in der Pflege, an der Ausweitung des E-Rezeptes auf weitere Verordnungstypen wird gearbeitet.
Digitalisierung kommt immer mehr in der Versorgung an
In ihrem TI-Atlas zieht die gematik ein durchaus positives Fazit und unterstreicht den Fortschritt: Digitalisierung kommt an und sorgt für Entlastung. Das E-Rezept ist nach zwei Jahren vom Gesundheitswesen akzeptiert und bringt spürbaren Nutzen – für die gematik die Basis der Digitalisierung weiterer Verordnungen. Die Einführung der ePA ist ein weiterer Meilenstein, der schon vor der verpflichtenden Einführung Mehrwerte für die Versorgung bringt. Auch die Pflege schreitet in der Digitalisierung voran und ist damit Vorreiter für die Anbindung neuer Anwendergruppen an die Telematik-Infrastruktur.
