BMBF-Projekt TELL: Digitale Plattform für Telediagnostik und Teletherapie bei Aphasie

Jährlich erleiden in Deutschland rund 270.000 Menschen einen Schlaganfall. Etwa 30 Prozent der Betroffenen entwickeln neurologisch bedingte Sprachstörungen wie Aphasie. Diese Einschränkungen beeinträchtigen die Kommunikation im Alltag erheblich und können die Lebensqualität dauerhaft stark reduzieren.

Im BMBF-geförderten Projekt TELL wird eine digitale Plattform für Telediagnostik und Teletherapie bei neurogenen Sprachstörungen konzipiert und entwickelt. Im Mittelpunkt steht teletherapeutisches lebensgeschichtliches Erzählen zur Steigerung der Lebensqualität von Patientinnen und Patienten.

Kunde/Projekt BMBF-Projekt TELL
Rolle von POLAVIS Konsortialführer und Aufbau der digitalen Teletherapie-Plattform
Thema Telediagnostik und Teletherapie bei neurogenen Sprachstörungen
Zielgruppe Patientinnen und Patienten mit Aphasie sowie therapeutische Fachkräfte
Partner Relimetrics GmbH, Katholische Hochschule Mainz, HAWK Hildesheim/Holzminden/Göttingen sowie logopädische Praxen
Förderung BMBF-Förderung im Programm KMU-innovativ, Förderkennzeichen 01IS19039

Ziel des Projekts: Teletherapie zugänglich machen und Lebensqualität verbessern

Ziel von TELL ist es, erzählbasierte Biografiearbeit erstmals als digitale Teletherapie im Gruppensetting umzusetzen. Patientinnen und Patienten mit Sprachstörungen können dabei von zu Hause aus teilnehmen und sich aktiv mit der eigenen Lebensgeschichte auseinandersetzen. So soll die Therapie leichter zugänglich werden und die Lebensqualität der Betroffenen verbessern.

Die Online-Plattform unterstützt nicht nur die Durchführung der Therapie, sondern auch deren Organisation, Dokumentation und Verknüpfung mit digitalen Patientenakten. Dafür werden Funktionen entwickelt, die speziell auf die Anforderungen von Telediagnostik und Teletherapie bei Sprachstörungen ausgerichtet sind.

Zwei Hände, die auf einem Laptop tippen

KI-Verfahren zur genaueren Diagnostik und Dokumentation

Im Rahmen der Teletherapie-Plattform werden technische Werkzeuge für Gesichtsvermessung und Spracherkennung bereitgestellt. Sie sollen helfen, Grad und Form kommunikativer Beeinträchtigungen genauer zu diagnostizieren und zu dokumentieren. Dafür werden neue Erfassungsmuster und spezielle Erkennungsalgorithmen für störungsspezifische Merkmale wie Wortfindung, Satzmuster und sprachlichen Zusammenhang entwickelt. Diese Daten können anschließend mit KI-Verfahren, insbesondere Machine Learning, analysiert werden.

Die Datenanalyse eröffnet weiteres Potenzial: Die im Projekt entwickelte Kopplung von Bildanalyse und Phonetik kann perspektivisch nicht nur im medizinisch-therapeutischen Bereich eingesetzt werden, sondern auch in angrenzenden Anwendungsfeldern wie Human Machine Interfaces.

Langfristig kann die Plattform auf weitere Anwendungsbereiche übertragen werden. Eine mögliche Kostenübernahme durch Krankenkassen könnte dazu beitragen, die teletherapeutische Versorgung breiter verfügbar zu machen.

Förderung und Projektrahmen

Das Projekt startete am 01.01.2020 und wurde bis zum 30.06.2023 im Rahmen der Maßnahme KMU-innovativ im Programm IKT, Datenwissenschaft, Informationstechnologien, Industrie 4.0 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 1 Mio. Euro gefördert. Das Förderkennzeichen lautet 01IS19039.

Die Rolle von POLAVIS: Konsortialführung und Plattformaufbau

POLAVIS übernimmt im Verbundprojekt die Konsortialführung und verantwortet den Aufbau der digitalen Teletherapie-Plattform. Die Relimetrics GmbH entwickelt die KI-Verfahren. Die wissenschaftliche und therapeutische Expertise bringen die Katholische Hochschule Mainz sowie die HAWK Hildesheim/Holzminden/Göttingen ein, die das Gesamtvorhaben federführend initiiert haben.

Grundlage des Projekts sind erfolgreiche Vorarbeiten und Publikationen der Hochschulen zur analogen Therapiearbeit in diesem Bereich. Ergänzt wird das Vorhaben durch logopädische Praxen in den Regionen der beteiligten Hochschulen sowie durch weitere Kooperations- und Netzwerkpartner.