Zwei Seiten der Digitalisierung des Gesundheitswesens

Das Gesundheitswesen zeichnet sich durch Wettbewerb und eine Balance zwischen Angebot und Nachfrage aus. Auf der Angebotsseite stehen Arztpraxen und Krankenhäuser, aber beispielsweise auch Anbieter von Technik, Systemen und Software.

Eine aktuelle Studie aus dem November vergangenen Jahres, in die wir einen kurzen Einblick geben, betrachtet das Thema Digitalisierung des Gesundheitswesens und liefert hier spannende Informationen. Diesem Angebot stehen auf der Nachfrageseiten die „Patienten von morgen“ gegenüber, die im September 2022 in einer weiteren Studie als Gesundheits-Konsumenten beschrieben und im Detail durchleuchtet werden.

Wie steht es um die Digitalisierung unseres Gesundheitswesens in Deutschland – der E-Health Monitor 2022 gibt Antworten

Der im November des vergangenen Jahres veröffentlichte eHealth Monitor 2022 widmet sich verschiedenen Perspektiven auf Deutschlands Entwicklungen im Bereich der digitalen Gesundheit. Betrachtet werden Zielsetzungen, vor allem aber der aktuelle Standpunkt auf dieser Reise. Ist Deutschland tatsächlich vorangekommen oder bereits in Rückstand geraten?

Einen deutlichen Anschub erfährt die Digitalisierung des Gesundheitswesens durch den Gesetzgeber, der mit Gesetzten und Verordnungen auf die Verbesserung der Rahmenbedingungen drängt. Dadurch ergeben sich, über direkte Förderung und Investitionsprogramme hinaus, in diesem Sektor enorme finanzielle Chancen. Auf mehr als 40 Mrd. EUR jährlich beziffern die Autoren dieses Potenzial, auch wenn davon laut Studie erst ein geringer Teil erschlossen werden konnte.

Der Anteil der digitalen Kommunikation zwischen Arztpraxen und Krankenhäusern hat sich innerhalb eines Jahres verdreifacht, jedoch erfolgt dieses Wachstum aktuell noch auf sehr niedrigem Niveau. Zwei Drittel der Arztpraxen führen die Kosten der Digitalisierung im Verhältnis zu ihrem Nutzen als Hemmschwelle an.

Ein Standpunkt den Dr. Manuel Iserloh, POLAVIS GmbH, so nicht nachvollziehen kann. Neben der Verbesserung der medizinischen Versorgung und dem Patientenerlebnis stehen auch finanzielle Aspekte im Fokus. „Und sie dürfen dort auch stehen, denn gerade die Digitalisierung administrativer Aufgaben am Patienten ermöglicht eine enorme Zeitersparnis und damit einen belastbaren Business Case. Mitarbeiter werden entlastet, es werden Ressourcen für die Behandlung freigesetzt und nicht zuletzt spielt auch die Zufriedenheit und damit die Bindung der eigenen Mitarbeiter eine finanzielle Rolle.“

Future of health 4 – Die Patienten von morgen

Die vierte Studie in der Reihe „Future of health“ von Roland Berger betrachte unter dem Titel die Patienten von morgen den Patienten als Gesundheits-Konsumenten. Befragt wurden weltweit fast 2.500 Studienteilnehmer zu ihrer Bereitschaft medizinische und technische Innovationen anzunehmen, zu ihrem Vertrauen in den Gesundheitssektor und zur Bereitschaft, Leistungen von Technologiekonzernen im Bereich des Gesundheitswesens selbst zu finanzieren.

Die Studie clustert die Gesundheits-Konsumenten von morgen in drei Stereotypen, die sich deutlich in ihrem Verhalten, ihren Erwartungen und ihren Einstellungen gegenüber Innovationen und Trends im Gesundheitsbereich voneinander unterscheiden. Die „Adopter“ stehen für das jüngste der drei Segmente und sind aufgrund ihrer guten Gesundheit weniger auf das Gesundheitssystem angewiesen, zeigen sich aber Neuerungen gegenüber sehr offen und sind im Allgemeinen sehr gut informiert. Der älteste Stereotyp wird in der Studie als „Hesistant“ bezeichnet. Er ist wenig informiert und steht Entwicklungen eher ablehnend gegenüber – nicht jedoch bspw. dem Thema Video-Sprechstunde – und zeigt den schlechtesten Gesundheitsstaus. Dazwischen liegen die „Follower“, dem fast die Hälfte der Befragten zuzuordnen sind. Sie zeichnen sich durch eine geringe Zufriedenheit mit dem Gesundheitssystem aus, stehen aber neuen digitalen Angeboten in diesem Bereich offen gegenüber.

Eine Frage, der die Studie im Detail nachgeht, ist die nach der Bereitschaft der Patienten zum digitalen Wandel. Diese sehen sich einer großen Bandbreite von komplett neuen Möglichkeiten gegenüber und der Gesundheitssektor wird durch die diese Bereitschaft geprägt. Die zentrale Erkenntnis: Neue Technologien, bspw. Gesundheits-Apps und Video-Sprechstunden, erfahren Zustimmung. Nicht unerwartet ist das Thema Datensicherheit aber sehr präsent und Patienten teilen Gesundheitsdaten nur dann, wenn sie sich davon einen Vorteil versprechen, bspw. den Zugang zu einer besseren Behandlung. Die Studie kann hier klar zwischen Entwicklungsländern und entwickelten Ländern unterscheiden. Leider weisen Länder wie die Schweiz, Frankreich und sicher auch Deutschland hier die geringste Bereitschaft ihrer Patienten auf, persönliche Daten zur Gesundheit zu teilen.

Die Verantwortung für die Datensicherheit von Patientendaten, und damit auch für den Aufbau von Vertrauen der Zielgruppe in neue Systeme, liegt aber nicht nur bei Arztpraxen und Krankenhäusern. Datensicherheit muss schon bei den Anbietern von Systemen und Software, bspw. bei der Einrichtung von Kommunikationsportalen, mitgedacht und eingebracht werden.

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