Unter dem aussagekräftigen Titel „Wie Deutschlands Kliniken die strategische Neuausrichtung ihrer IT angehen“ hat das Beratungshaus Roland Berger einmal mehr den Krankenhaus IT-Monitor veröffentlicht. Befragt wurden dafür rund 600 Geschäftsführungen und IT-Leitungen in der deutschen Krankenhauslandschaft zu Entwicklungen und den besonderen Herausforderungen in Planung und Umsetzung anstehender IT-Projekte. Inhaltliche Schwerpunkte sind die Neuausrichtung der Krankenhausinformationssysteme (KIS) nach der Abkündigung von SAP IS-H sowie die Entwicklung der IT-Budgets und die Finanzierung der Transformation.
Wachsende Budgets verdeutlichen die Bedeutung innerhalb der Transformation
Erster Blick der Erhebung gilt der Veränderung der IT-Budgets. Durchschnittlich 2,8 Prozent des Gesamtumsatzes macht das IT-Budget inzwischen aus, der Umsatzanteil liegt damit im zeitlichen Vergleich höher und ist deutlich schneller gestiegen als der Umsatz selbst. In großen Einrichtungen kommen die Budgets nur auf einen Anteil von 2,3 Prozent, was die Autoren Skaleneffekten der IT-Fixkosten zuschreiben. Der Erkenntnisgewinn: Die schnell wachsenden IT-Budgets sind Indiz für die Bedeutung der Informationstechnologie, die die Verantwortlichen ihr in der Transformation zugestehen. Zudem findet innerhalb des Finanzblocks mehrheitlich eine deutliche Verschiebung von abschreibbaren Investitionen hin zu laufenden Betriebskosten statt. Ursache ist die zunehmende Favorisierung von Software-as-a-Service-Modellen (SaaS) mit laufenden Nutzungsentgelten anstelle einmalig kostenwirksamer Anschaffungen. Klinikseitig wird dieser Wandel differenziert wahrgenommen: mehr Flexibilität bei der Anpassung oder Beendigung von IT-Leistungen und leichte Skalierung bei sich veränderndem Bedarf einerseits; andererseits sind einmalige Investitionen und laufende Kosten buchhalterisch unterschiedlich zu betrachten.

KIS-Wechsel und Veränderungen der Systemarchitektur
Lange hat der Programmentwickler SAP bei Informationssystemen dominiert. Durch Entscheidungen des Softwareriesen hinsichtlich seiner Produktpalette beginnen sich die Verhältnisse zu verschieben, denn Krankenhäuser sind zum Handeln gezwungen und der Wettbewerb drängt in das entstehende Vakuum. Neben der IS-H-Abkündigung fallen jedoch noch weitere Motivationen ins Gewicht: Strategische Neuausrichtung, eingeschränkte Funktionalitäten und mangelnde Nutzertauglichkeit sowie technische Restriktionen oder organisatorische Veränderungen werden als Anlass genannt.
In Roland Bergers IT-Monitor aus dem Jahr 2023 hatten bereits 27 Prozent der befragten Häuser angegeben, einen KIS-Wechsel zu planen; inzwischen liegt dieser Wert sogar bei 30 Prozent. Von den wechselwilligen Häusern hat etwas mehr als die Hälfte zunächst nur eine Absichtsbekundung abgegeben, die anderen befinden sich jedoch schon in der Vorbereitung auf eine Ausschreibung oder bereits in nachfolgenden Schritten. Grund hierfür sei die ausgeprägte Marktdynamik, so die Autoren, denn vielerorts werde auf erste Erfahrungen der Wechselpioniere und Entwicklungen am Markt gewartet, um diese in die eigenen Entscheidungen einfließen zu lassen. Nach Meinung der Befragten stehe die Welle der Ausschreibungen, getrieben durch das voraussichtliche Wartungsende 2030 und die befürchteten knappen Ressourcen anderer KIS-Anbieter, zeitnah (im Jahr 2027) bevor.
Der IT-Monitor macht Kapazitätsprobleme generell als Herausforderung aus. Genannt werden fehlende Ressourcen der Systemanbieter für Beratung, Implementierung und Support sowie Engpässe in den IT-Abteilungen, die anderweitig stark eingebunden sind. Die zukunftsorientierte Ausgestaltung, die mit den Systemänderungen einhergeht, steht ebenfalls für einen hohen organisatorischen Aufwand, der bedient werden muss. Dennoch zeichnen sich bei der Systemarchitektur erste Veränderungen ab: Modulare Systemverbünde sind eine Alternative, die den Wunsch nach Spezialisierung, Flexibilität und Funktionsumfang abseits der Monolithen erfüllen kann.
Finanzierung der Transformation
Krankenhausreform und Krankenhaustransformationsfonds (KHTF) formulieren hohe Erwartungen an Kliniken und Krankenhäuser – inwieweit sie die Zielerreichung finanziell ermöglichen, wird uneinheitlich gesehen: Knapp 40 Prozent halten den Transformationsfonds für geeignet, um entsprechende IT-Projekte der eigenen Einrichtung zu fördern, knapp 60 Prozent verneinen dies jedoch. Da der Gesetzgeber klare Aussagen zu einzelnen Systemen vermeidet, stellt der IT-Monitor die Frage nach besonders förderfähig erscheinenden IT-Themen. Für 80 Prozent der Häuser ist die Verbesserung der internen und externen Vernetzung ein solches, besonders förderfähiges Thema; 60 Prozent zählen IT-Maßnahmen als Bestandteil von Bau- und Strukturvorhaben dazu. Abgeschlagen angeführt werden Prozessoptimierung und IT-Infrastruktur und nur eine von zehn Antworten nennt Künstliche Intelligenz und Telemedizin. Daher gilt es, so das Beratungshaus, die Transformationsherausforderungen frühzeitig zu adressieren und den Austausch mit anderen Versorgungseinrichtungen zu suchen, um IT-Projektierungen mit klarem Mehrwert auszuwählen.
