Dr. Günter Steyer über Veränderungen und Herausforderungen in der Krankenhaus-IT

Dr. Günter Steyer, freier Berater für IT-Strategie, -Infrastruktur & -Investitionen im Interview zu Digitalisierung in Kliniken und wie Herausforderungen erfolgreich umgesetzt werden können.

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POLAVIS im Gespräch mit Dr. Günter Steyer, freier Berater für IT-Strategie, -Infrastruktur und -Investitionen

Dr. Günter Steyer begann im Gesundheitswesen zu arbeiten, als die ersten Computer in Krankenhäusern eingesetzt wurden und ist nun seit fast 50 Jahren im Bereich Gesundheits-IT tätig. Auf der DMEA 2019 in Berlin haben wir mit Dr. Steyer über die Veränderungen und Herausforderungen in der Krankenhaus-IT gesprochen.

Hallo Herr Steyer, schön dass Sie die Zeit gefunden haben. Stellen Sie sich kurz vor.

Ja gern, ich bin eigentlich von meinem Studium her Chemiker. Ich habe an der technischen Universität in Dresden Chemie und Kerntechnik studiert. Das war aber schon vor langer Zeit zwischen 1960 und 1966. Habe dann in der physikalischen Chemie promoviert und bin anschließend in das Gesundheitswesen gegangen, zu einer Zeit als man begann die Computer in den Kliniken einzusetzen. Und so bin ich damals in den Bereich der IT hineingekommen. Habe dann über 19 Jahre im Krankenhaus gearbeitet und habe in dieser Zeit habilitiert mit einem Lehrauftrag in Rostock, an der Charité und habe vor kurzem noch einen Lehrauftrag an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin gehabt und bin eben insgesamt fast 50 Jahre im Bereich der IT im Gesundheitswesen tätig. In dieser Zeit habe ich sehr viel technische Veränderungen gesehen. Problem haben sich weniger verändert, hauptsächlich aber der praktische Zugang zu Informationen zu Technik.

Vielen Dank für die ausführliche Einführung. Was denken Sie wie Geschäftsführung und Abteilungen in Krankenhäusern optimal zusammenarbeiten können und was halten sie im Zuge dessen von der Position des CDO’s?

Das ist eine spannende Frage. Ich glaube ein wesentliches Problem in Deutschland ist, dass die IT im Gesundheitswesen und insbesondere im Krankenhaus noch nicht den Stellenwert erlangt hat, der erforderlich ist, um in Entscheidungsprozesse aktiv einbezogen zu werden. Ich persönlich habe seit dem Jahre 2000 jedes Jahr in den USA die EMS besucht, die weltweit größte Messe und Kongress. Im letzten Jahr waren über 40.000 Teilnehmer an der EMS. In den USA habe ich auch Workshops in Krankenhäusern organisiert, da ist das Verhältnis zwischen Geschäftsführung und IT ganz anders. Der IT-Leiter – CIO ist auch in der Regel Senior Vice Präsident und damit direkt in der Geschäftsführung, im oberen Management der Gesundheitseinrichtung angesiedelt und das wünsche ich mir auch in Deutschland. Wenn man Prozesse im Krankenhaus nicht nur mit unterstützen will, sondern sie verändern will, um sie optimal zu nutzen, muss die IT mindestens ein Mitspracherecht haben und an der Gestaltung der Geschäfts Prozesse teilhaben.

Wie sieht Ihrer Meinung nach ein erfolgreiches Change-Management im Krankenhaus aus? Wo sehen sie Herausforderungen und potenziale und wo haben sie schon Erfolge erlebt?

Ich denke die Technik allein einzusetzen nutzt nichts. Der optimale Einsatz und die optimale Nutzung der Technik ist immer verbunden mit einer hohen Qualifikation des Personals und vor allen Dingen auch mit einer guten Kommunikation und einer guten Zusammenarbeit mit den einzelnen Gruppen im Krankenhaus. Es darf nicht so sein, dass Pflege auf der einen Seite, Ärzteschaft auf der anderen Seite und auf IT der dritten Seite ist, sondern es muss ein Miteinander sein und das ist erforderlich, um digitale Transformation im Krankenhaus erfolgreich umzusetzen.

Wo sehen und erleben Sie die Herausforderungen in der Kommunikation zwischen den Herstellern also der Industrie und den Anwendern also den Klinik Mitarbeitern?

Ich denke da sind drei Punkte zu beachten. Der erste Punkt ist, dass die Industrie nicht auf dem Stand ist der heutzutage notwendig ist um digitale Transformation oder auch Disruption – auch diesen Prozess muss man beachten – optimal abzudecken. Viele Krankenhaus Informationssysteme und auch Arztpraxen Systeme – wir sagen PVS Praxis Verwaltungssysteme dazu – haben noch die alte Technik darunter, haben eine neue Oberfläche, aber die Systeme sind nicht grundlegend revolutioniert. Und der andere Grund ist, dass die Erwartungen die man heutzutage hat, die insbesondere vom Patienten getrieben werden und von den jungen Ärzten, dass diese im Moment von der Industrie noch nicht erfüllen werden. Ich war letzten Freitag zu einer Tagung in Berlin von der SPFA der spitzenverband der Fachärzte und da gibt es inzwischen eine Gruppe die heißt „die jungen Ärzte“ und diese Gruppe hat einen Workshop veranstaltet zu „Digitalisierung im Gesundheit was erwarten wir“ und das ist ein ganz anderes Verhalten zwischen den jungen Ärzten gegenüber denn hierarchischen Strukturen die man in Gesundheitseinrichtungen vorfindet und das ist glaube ich auch ein Prozess das Consumer getriebene ist. In Form von Apps und in Form von mobilen Geräten, was derzeit in der Industrie erkannt aber noch nicht richtig beantwortet wird.

Wie kann man Problemen und Herausforderungen im intersektoralen Datenaustausch begegnen, gerade im Hinblick auf den Schnittstellen zwischen KIS und externen digitalen Anwendungen?

Ich denke das ist eine sehr wichtige Frage, da wir in Deutschland ein sektorales Gesundheitswesen haben. Ambulante Versorgung, stationäre Versorgung liegen nebeneinander und teilweise im Wettbewerb und hier den Informationsaustausch optimal zu gestalten erfordert eine externe Kommunikation in den Einrichtungen, erfordert Schnittstellen, denn nur dann kann ich kommunizieren, wenn die entsprechenden Schnittstellen auch vorhanden sind. Das heißt die Systeme untereinander müssen interoperabel sein. Wir unterscheiden ja eine sogenannte syntaktische Interoperabilität und eine semantische Interoperabilität. Dafür gibt es internationale Standards und das Problem was wir in Deutschland haben ist, dass wir bisher zu wenig diese internationalen Standards genutzt haben, insbesondere in Richtung semantische Interoperabilität. Snomed sagt ihnen sicherlich etwas, das System was wir in Deutschland gerne hätten aber nicht haben. Frau Professor Thun ist ja da immer sehr aktiv das von der Politik einzufordern. Ich glaube aber, dass mit Jens Spahn als derzeitigen Gesundheitsminister wird sich etwas ändern, also so habe ich das zumindest auch in dem von in gehaltenen Vortrag an der von mir bereits genannten Tagung für Fachärzte verstanden. Dort hat er noch ganz klar gesagt wir müssen unsere Gesundheitswesen befähigen, Daten auszutauschen und eine ganzheitliche Sicht auf den Patienten bekommen. Das nützt nicht nur den Ärzten, das nützt auch den Patienten und wenn ich heutzutage ein Patient-Engagement haben will oder wir sagen auch Patient-Empowerment, das heißt wo ich denn Patienten aktiv einbeziehen will, wo ich den Patienten medizinische und pflegerische Daten zu Verfügung stellen will, muss ich diesen Prozess gesamtheitlich betrachten und das geht nur im Zusammenwirken zwischen ambulant und stationär. Nur dann kann ich digitale Daten haben und nur dann bin ich auch befähigt diese Daten für Forschungszwecke auszuwerten natürlich anonymisiert aber nur dann bin ich auch befähigt praktisch das Gesundheitswesen weiter zu entwickeln.

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