Regelmäßig erhebt die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC ihr Healthcare-Barometer, basierend auf der Befragung eines repräsentativen Querschnitts der Bevölkerung. Die Studie blickt auf aktuelle Themen sowie langfristige Trends und Entwicklungen im deutschen Gesundheitswesen. Durch ihre Regelmäßigkeit ermöglicht sie tiefe Einblicke. Die jüngst erschienene Ausgabe rückt neben der allgemeinen ärztlichen Versorgung wieder die Krankenhauslandschaft in den Mittelpunkt: Einschätzung, Sorgen und Erwartungen werden detailliert abgefragt.
Zu Pandemiebeginn hatte die Wahrnehmung des deutschen Gesundheitssystems als eines der weltweit führenden einen Höhepunkt. Ausgehend von damals über 70 Prozent Zustimmung ist diese Einschätzung rückläufig und hat sich aktuell bei 50 Prozent eingependelt. Bereits im zweiten Jahr in Folge bestätigt nur noch die Hälfte der Bevölkerung einen Platz unter den besten drei Systemen, weniger als vor der Pandemie. Unterscheidet man die Befragten nach Altersklassen, zeigt sich: Jüngere Menschen (18 – 34 Jahre) bewerten unser Gesundheitssystem nach wie vor überwiegend als führend, die weiteren Altersklassen (35 – 55 Jahre, 55 Jahre und älter) weichen weit nach unten ab.
Die Verantwortlichen des Barometers vermuten den Grund der sich verschlechternden Bewertung in Unzufriedenheit mit der ärztlichen sowie der klinischen Versorgung. Subjektiv nehmen sich Ärztinnen und Ärzte zu wenig Zeit (knapp 40 Prozent Zustimmung) für ihre Patientinnen und Patienten, die sich außerdem von diesen sowie dem medizinischen Personal nicht ernstgenommen fühlen (26 Prozent). Hinzu kommt Kritik an den Öffnungszeiten der Praxen (21 Prozent) und der Kompetenz der Behandler (19 Prozent). Die Unterscheidung zwischen privat und gesetzlich Versicherten bestätigt, was vermutet werden darf: PKV-Mitglieder sind über alle Fragen hinweg zufriedener. Mehr Überraschung birgt hingegen die Einteilung in erwerbstätige Studienteilnehmende und solche ohne Arbeit, denn wer ohne Beschäftigung ist, schätzt die gebotene Leistung wesentlich wertiger ein.
Die Frage nach der Versorgungsqualität deutscher Krankenhäuser zeigt ein im Verlauf stabiles, relativ positives Bild mit 50 Prozent Zustimmung (sehr gut und gut). Unterscheidet man nach Geschlecht (männlich, weiblich), driften die Aussagen allerdings auseinander: 59 Prozent der Männer und nur 43 Prozent der Frauen geben eine der beiden Höchstnoten. Wertvoll ist auch die ergänzende Frage danach, wie die passende Klinik für eine Behandlung gefunden wird: Die hausärztliche Primärversorgung ist wichtigste Informationsquelle, wenn es um einen bevorstehenden Krankenhausaufenthalt geht (50 Prozent). Daneben zählen Erfahrungen im Freundes- und Bekanntenkreis (35 Prozent) und mit etwas Abstand die Webseiten der Kliniken oder allgemeine Bewertungsseiten (je 28 Prozent). KI-Tools, Soziale Medien und Gesundheits-Apps spielen dagegen, erstmalig abgefragt, kaum eine Rolle.
Herausforderungen der Gesundheitsbranche

„Die Krankenhausreform hat einen besonderen Stellenwert für die Sicherstellung einer hochwertigen Gesundheitsversorgung und die Gewährleistung der Bezahlbarkeit. Die Grundprinzipien bleiben auch nach der Anpassung bestehen: mehr Qualität, mehr Spezialisierung, mehr Effizienz. Zugleich muss die flächendeckende medizinische Versorgung für Patientinnen und Patienten gewährleistet bleiben – gerade auch auf dem Land“, unterstreicht Bundesgesundheitsministerin Nina Warken ihre Reformvorhaben. Das Barometer blickt in diesem Zusammenhang auf die tatsächlich wahrgenommenen Herausforderungen der Gesundheitsbranche – ein interessanter Vergleich, der dem Ministerium in seiner Sicht durchaus rechtgibt.
So sehen sechs von zehn Deutschen die Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems als eine der zentralen Herausforderungen, ebenso fehlendes Fachpersonal (53 Prozent) und auch die flächendeckende ländliche Versorgung wird von knapp 40 Prozent angeführt. Digitalisierung und Datenschutz sind weit abgeschlagen, rücken allerdings ganz langsam in den Fokus. Ebenfalls bemerkenswert: Die Einteilung der Stichprobe in GKV und PKV zeigt deutlich mehr Sorge bei den Privatversicherten, was die Finanzierbarkeit und die möglichen Defizite im ländlichen Raum angeht. Unterscheidet man nach Altersklassen, sorgen sich ältere Menschen mehr um die genannten allgemeinen, jüngere um digitale Themen (Digitalisierung, Datenschutz).
Neben den Handlungsbedarfen betrachten die Macher der Studie auch mögliche Antritte für Systemverbesserungen. Am effektivsten, mit fast 90 Prozent Zustimmung, werden integrierte Versorgungssysteme gesehen (einrichtungs- und sektorübergreifende Zusammenarbeit), gefolgt von digitaler Infrastruktur und Datennutzung (bessere Behandlungskoordination und höhere Behandlungsqualität; 78 Prozent), präventiven Gesundheitsnetzwerken (Förderung von Prävention und Gesundheitskompetenz; 78 Prozent) und personalisierter Medizin (individualisierte Behandlung; 76 Prozent). Der Status der Versicherten war für die Studie irrelevant – beim Alter zeigen sich leichte Unterschiede, so spielen beispielsweise Telemedizin-Netzwerke bei jüngeren Befragten vermehrt eine Rolle.
Wege der Systemveränderung
Abschluss des Healthcare-Barometers bildet eine detaillierte Betrachtung der angeführten Hebel für eine effektive Systemveränderung. So sehen die Befragten in der integrierten Versorgung das Potenzial, besser zwischen Haus- und Fachärztinnen und -ärzten zu koordinieren (35 Prozent), ganzheitlich betrachtet zu werden (33 Prozent), verbesserter Früherkennung (33 Prozent), kürzerer Wartezeiten und effizienterer Abläufe sowie zur Reduktion von Doppeluntersuchungen (je 33 Prozent).
In der Stichprobe gibt es eine hohe Bereitschaft, persönliche Daten für die medizinische Forschung zur Verfügung zu stellen – allerdings teilweise an eine finanzielle Gegenleistung geknüpft. Auch präventive Gesundheitsmaßnahmen werden von über 90 Prozent der Bürgerinnen und Bürger als wichtig oder sehr wichtig empfunden; alle abgefragten Maßnahmen werden für eher oder sehr effektiv gehalten, allen voran regelmäßige Gesundheitschecks und Vorsorgeuntersuchungen. Rund drei Viertel der Studienteilnehmenden finden außerdem, dass ein gesundheitsbewusstes Verhalten stärker belohnt werden, neun von zehn sogar, dass die Regierung sich mehr um die Gesundheitspolitik kümmern sollte.
