„Gemeinsam für mehr Wissen“ – unter diesem Leitsatz bietet das unabhängige Deutsche Krankenhausinstitut (DKI) Krankenhäusern und deren Verbänden Unterstützung bei aktuellen Herausforderungen und Entwicklungen der Branche. Es wird von verschiedenen Verbänden und Institutionen der Krankenhauswirtschaft getragen, unter anderem von der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), dem Verband der Leitenden Krankenhausärzte Deutschlands (VLK), der Deutschen Krankenhaus Verlagsgesellschaft (DKVG) sowie dem Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD).
Neben Forschungspublikationen und beispielsweise dem jährlich aufgelegten Krankenhaus-Barometer geben DKI-Blitzumfragen kurze Einblicke in aktuelle krankenhauspolitische Themen – und zeitnahe, denn zwischen Befragung und Veröffentlichung liegen nur wenige Tage. Als neue Reihe ist nun das Krankenhaus-Konjunkturbarometer hinzugekommen, das zukünftig als Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung in deutschen Krankenhäusern dienen soll. Im Folgenden betrachtet und ins Verhältnis gestellt werden die Ergebnisse des ersten Konjunkturbarometers und eine Blitzumfrage zur Bürokratiebelastung.
Neues DKI-Tool – Krankenhaus-Konjunkturbarometer
Ein erstes regelmäßig erhobenes Stimmungsbarometer für den Krankenhaussektor in Form einer standardisierten Krankenhausbefragung wurde von DKI und DKG nun entwickelt und im ersten Quartal 2026 umgesetzt. Dieses erste Konjunkturbarometer bildet damit den Basiszeitraum ab, auf den sich nachfolgende Erhebungen beziehen sollen. Beteiligt haben sich 185 Allgemeinkrankenhäuser ab 100 Betten, deren Verteilung nach Krankenhausgröße weitestgehend als repräsentativ gewertet werden kann.

Der Bedarf an einem Stimmungsbarometer ist nachvollziehbar: Die derzeitige wirtschaftliche Situation ist in etwa jedem dritten Krankenhaus eher unbefriedigend oder unbefriedigend und nur in sieben Prozent der Häuser eher gut oder sogar gut. Große Krankenhäuser schätzen die eigene Lage dabei deutlich am schlechtesten ein. Ein Blick auf die regionale bzw. räumliche Verteilung zeigt hingegen kaum Unterschiede zwischen ländlichem und städtischem Raum. Der Blick voraus fällt ebenfalls generell negativ aus: So geben fast 60 Prozent der Krankenhäuser an, eine weitere Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage zu erwarten (nur 2 Prozent sehen eine Verbesserung voraus); hierbei jedoch sind Krankenhäuser in dünn besiedelten ländlichen Kreisen wesentlich pessimistischer (79 Prozent erwarten eine Verschlechterung) als solche in Großstädten (47 Prozent).
Die bisherigen Aussagen belegen einen hohen finanziellen Druck auf die Krankenhäuser. Zusätzlich wurde konkret nachgefragt, wie viele Wochen sie ihre durchschnittlichen Betriebsausgaben aus vorhandenen liquiden Mitteln finanzieren könnten. Immerhin knapp jedes zehnte Haus gab an, dauerhaft über unbegrenzte Liquidität für Betriebsausgaben zu verfügen. Für den Rest ergab sich ein Mittel von sechs Wochen (wiederum weniger in dünn besiedelten ländlichen Kreisen bzw. mehr in Großstädten).
Bürokratiebelastung sorgt für wirtschaftlichen Druck
Die Belastung des Krankenhauspersonals – Verwaltung, Ärzteschaft und Pflege – durch hohen bürokratischen Dokumentationsaufwand steht seit Langem im Mittelpunkt der Diskussionen. Trotz Forderungen auf der einen und Lösungsvorschlägen auf der anderen Seite ist ein hinreichendes Ergebnis bislang ausgeblieben. Der zusätzliche Arbeitsaufwand kann sich unter anderem negativ auf die Qualität der Krankenhausversorgung und auf die Wirtschaftlichkeit auswirken, spielt also im Zusammenhang mit den erhobenen wirtschaftlichen Erwartungen eine Rolle.
Eine dem Konjunkturbarometer vorangegangene DKI-Blitzumfrage hat entsprechend untersucht, wie hoch der Dokumentationsaufwand im ärztlichen Dienst und im Pflegedienst tatsächlich ist und wie viele Beschäftigte in diesen Berufsgruppen rechnerisch dadurch gebunden sind. Nach pauschaler Einschätzung der Häuser ist eine ärztliche Vollzeitkraft täglich durchschnittlich drei Stunden mit Dokumentationstätigkeiten ausgelastet. Im Pflegedienst liegt der entsprechende Wert mit im Durchschnitt 2,8 Stunden nur leicht darunter. Beide Werte sind im Vergleich zu einer früheren Blitzumfrage vom Juli 2024 leicht gestiegen.
Die Krankenhäuser wurden gebeten, die zeitaufwändigsten Dokumentationspflichten zu benennen, die aus ihrer Sicht kaum erkennbaren Nutzen für die Patientenversorgung haben: Genannt wurden die Bearbeitung von Anfragen des Medizinischen Dienstes (MD) bzw. eine Dokumentation, die den Anforderungen und Prüfkriterien des MD genügt, zudem Nachweise und Prüflisten zur in- und externen Qualitätssicherung, die Dokumentation für verschiedene Personalbemessungsinstrumente, die Nachweisführung hinsichtlich Verweildauer und Notwendigkeit der (stationären) Behandlung zur rechtlichen Absicherung, die zeitlichen Aufwände für die ICD- und OPS-Verschlüsselungen und zuletzt allgemein redundante Erfassungen von Daten.
Bezogen auf eine angenommene reguläre 40-Stunden-Woche errechnet das Institut einen durchschnittlichen Prozentsatz der täglichen Regelarbeitszeit von 37,5 Prozent im ärztlichen Bereich und 35 Prozent in der Pflege, der mit Dokumentation verbracht wird. Bundesweit gesehen, basierend auf Werten aus dem Jahr 2023, kann damit rechnerisch von über 65.000 Ärztinnen und Ärzten sowie knapp 140.000 Pflegekräften ausgegangen werden, die ausschließlich mit Dokumentation befasst sind. Das blockiert ihre Zeit für patientennahe Tätigkeiten. Ohne die abgefragten Einschätzungen zu den aufwändigen Dokumentationspflichten inhaltlich zu bewerten, stellt das DKI abschließend ein plakatives Beispiel auf, nach dem eine Reduktion der täglichen bürokratischen Aufgaben um jeweils eine Stunde etwa 20.000 ärztliche Vollzeitstellen und 50.000 Stellen in der Pflege freisetzen würde – ohne Mehrkosten für Personal.
