Digitalisierung im Gesundheitswesen – wo hat sich in den letzten Jahren konkret etwas getan?

Experten geben Aufschluss über Fortschritte im digitalen Gesundheitswesen in Deutschland und wo dieser hinterher hinkt – lesen Sie mehr!

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Im Interview mit

Prof. Dr. Anja Lüthy – Professorin Betriebswirtschaftslehre, Technische Hochschule Brandenburg

Dr. Christoph Hoppenheit – Kaufmännischer Direktor, Universitätsklinikum Münster

Dr. Kerstin Kemmritz – Präsidentin, Apothekerkammer Berlin

Ludwig Kerschbaum- Pflegedirektor, Bonifatius Hospital Lingen

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POLAVIS Rundfrage auf dem Hauptstadtkongress für Medizin und Gesundheit 2019 in Berlin.

Die Digitalisierung bleibt ein viel diskutiertes Thema Deutschland hinkt aber im Vergleich noch hinterher. Wo hat sich denn in den letzten Jahren wirklich was getan?

Prof. Dr. Anja Lüthy: Ich kann nur sagen, es hat sich zu wenig getan. Wenn wir jetzt noch mal zu dem Fachkräftemangel im Gesundheitswesen kommen – sie können heute auf der Webseite ein online Formular zur Verfügung stellen. Die Leute können sich wie bei Amazon auf Stellen bewerben. Ich kann dann sofort einladen, kann dann seine Qualifikation Zeugnisse und so weiter abfordern. Wenn ich heute höre, dass Kliniken 70, 80, 90, Tage brauchen für eine Einstellung – im Zuge der Digitalisierung könnte ich heute einen Menschen binnen 14 Tagen einstellen und da fängt es an. Ich sage es nochmal, der Mitarbeiter ist die Ressource, der versorgt Patienten, der kümmert sich um die Strategie – wir haben drei Gruppen Pflege, Ärzte, Verwaltung. Wenn sich da nicht was verändert gute Nacht Deutschland.

Dr. Christoph Hoppenheit: Ich sag mal in den klinischen Bereichen, in den klinischen Systemen gibt es viele Aktivitäten. Da fehlt es nur an Geld im Wesentlichen, allerdings auch an qualifiziertem Personal. Es gibt allerdings auch Bereiche, die eher im Patienten fernen Bereich zu sehen sind. Ich denke da an die ganze Logistik und Einkauf und Beschaffung. Da hängt Deutschland sehr hinterher und da haben wir in der Struktur des Gesundheitswesens in Deutschland ein großes Problem, weil es gar keine Anreize gibt vor allem für die Lieferanten – das brauchen wir unbedingt. Wir brauchen einheitliche Standards und dafür gibt es keine Anreize, ganz im Gegenteil. Auch dort ist am Ende die Finanzierungsfrage zentral und auch die Ausbildung von Mitarbeitenden. Es gibt gar nicht genügend Menschen mit Fachkenntnissen, die wir einsetzen müssten, um in der Digitalisierung voranzukommen. Alle aktuellen Umfragen vom Bundeswirtschaftsministerium oder vom Bundesamt für Logistik zeigen, dass Deutschland da massiv hinterherhinkt und ich sehe keine positive Entwicklung in den nächsten zwei, drei Jahren.

Dr. Kerstin Kemmritz: Ich denke mal die Bundesregierung drückt da sehr stark aufs Tempo, was einerseits richtig ist weil wir hinterherhinken andererseits muss man aufpassen, dass man nicht zu schnell ist und Fehler macht. Also da ist ein goldener Mittelweg zu finden. Für den Apotheken Bereich kann ich nur sagen wir haben von der Datenschutz-Grundverordnung bis zu Kassen auch etliches umgesetzt und jetzt natürlich mit securPharm auch eine Möglichkeit geschaffen und umsetzen müssen die Arzneimittel Sicherheit sicherzustellen und eben Fälschung innerhalb Europas zu vermeiden oder zu verringern. Da ist also schon etliches passiert, aber man merkt relativ wenig als Kunde nach außen außer, dass es eben alles viel länger dauert und mühseliger wird. Digitalisierung heißt ja auch nicht immer, dass nicht neue Probleme entstehen können sondern das verändert Arbeitsprozesse.

Ludwig Kerschbaum: Es hat sich einiges getan, wie eben schon gesagt fehlt aber die intersektorale Vernetzung und hier ist glaube ich auch eine politische Lösung mit Ordnungen notwendig, damit es eben zu einer wirklichen Vernetzung kommt.