Hygiene ist Teamsport

Gesünder herauszukommen, als man sich hineinbegeben hat – das ist der Anspruch jedes Patienten beim Betreten eines Krankenhauses. Bis zu 600.000 jährliche nosokomiale Infektionen in Deutschland zeigen aber, dass dieser Anspruch nicht immer gewährleistet werden kann. Infektionen sind Belastungen für alle Beteiligten: für den Patienten, seine Angehörigen und das Personal. Zumeist verlängert sich die Liegezeit im Krankenhaus um drei bis sieben Tage. Die Hygiene ist zentrales Instrument, um diese Infektionen zu vermeiden. Auch wenn es dediziertes Hygiene-Personal gibt, bleibt Hygiene ein echter Teamsport: Alle Beteiligten müssen mitziehen.

Die Pandemie hat das Thema ins Rampenlicht gerückt, die Aufmerksamkeit ist gestiegen. Wo Hygiene-Verantwortliche früher um die Aufmerksamkeit der Geschäftsführung werben mussten, stehen heute Standardtermine im Kalender. Denn Hygiene hat einen Einfluss auf die Reputation und damit auf Patientenströme und Wirtschaftlichkeit. Schnell kann es zu negativen Schlagzeilen kommen: Stationsschließung, Todesfall oder Infektionszahlen.

Laut Infektionsschutzgesetz ist der Leiter der Gesundheitseinrichtung dafür verantwortlich, Infektionen zu verhindern. Er darf delegieren, muss aber im Bilde sein, Regularien müssen eingehalten werden. Kommt es zu Infektionen, kann das Gesundheitsamt einschreiten, beispielsweise die entsprechende Station schließen. Hier heißt es Prävention statt Reaktion. Es ist wichtig, Anzeichen im Blick zu behalten und rechtzeitig Maßnahmen zu ergreifen.

„Es ist sehr gut, dass es das KHZG gibt und umfangreiche Gelder zur Verfügung gestellt werden. Ich sehe aber nicht überall die Voraussetzungen und die Infrastruktur, die geförderten Maßnahmen auch umzusetzen“, bewertet Tobias Gebhardt, Geschäftsführer GWA Hygiene, den aktuellen Standpunkt. „Auf der personellen Seite muss eine gute Basis geschaffen werden.“

Alle Projekte, die durch das Krankenhauszukunftsgesetz gefördert werden, zeitnah und zeitgerecht umzusetzen, wird eine Herausforderung. Krankenhäuser müssen attraktive Arbeitsplätze bieten: im medizinischen und pflegerischen Bereich, aber auch für eine junge IT-Generation, die heute Hochschulen und Universitäten verlässt. Das Krankenhaus der Zukunft bedarf vieler Kompetenzen.

Ein dynamisches Unternehmen mit Vision: GWA Hygiene

„Um unsere Vision zu beschreiben, reise ich in die Unternehmenshistorie von GWA Hygiene zurück. Ein Kollege lag selbst im Krankenhaus und hatte Zeit für Beobachtungen. Desinfiziert sich das Personal beim Betreten des Patientenzimmers immer, nur manchmal oder gar nicht die Hände? Gibt es Vorgaben und Methoden oder entscheidet das Personal selbst? Das war die Geburtsstunde eines Systems, das das Händedesinfektionsverhalten automatisiert und rund um die Uhr dokumentiert“, berichtet Tobias Gebhardt. „Oft sind Daten, die dedizierten Hygieneteams vorliegen, durch manuelle Erfassung gekennzeichnet. Das finden wir nicht zeitgemäß und es bindet personelle Ressourcen, die wesentlich besser eingesetzt werden können – und zwar für Primäraktivitäten am Patienten.“

Hygienerelevante Daten auf Knopfdruck und so anschaulich visualisiert, dass Handlungsbedarfe abgeleitet werden können, das ist die Ambition des jungen Unternehmens. Der digitale Assistent für Krankenhaushygiene sein und den Verantwortlichen mehr Zeit für die Primäraufgaben verschaffen, das sind die Ziele. Arbeitsplätze im Krankenhaus sollen dadurch attraktiver werden; das Vorgehen soll einen wesentlichen Beitrag zur Patientensicherheit leisten.

Auch andere Sekundäraktivitäten binden Zeit. „Es besteht ein Ungleichgewicht: Es wird viel dokumentiert und oft gesucht: nach Kollegen, nach einem freien Bett oder sogar nach Patienten. Das empfinden wir als Sicherheitsrisiko. Gemeinsam mit den Krankenhäusern wollen wir hier Arbeitserleichterungen schaffen und Ressourcen für relevante Tätigkeiten am Patienten freisetzen“, erklärt Tobias Gebhardt die Grundlage weiterer Produkte. „Wir analysieren Prozesse rund um das Patientenbett, finden Anzeichen für Risiken und unser Ziel ist immer, damit einen Beitrag zur Arbeitserleichterung zu leisten. Weniger Arbeitsbelastung bedeutet mehr Zeit für Hygiene. Das ist eine spannende Verbindung.“

Hygiene im Krankenhausalltag

Hygiene ist Marathon

Ganz sicher ist Hygiene kein Sprint, sondern Dauerlauf – ein richtiger Marathon. Es braucht regelmäßige Interventionen und Impulse und die personelle Fluktuation auf Stationen steht für kontinuierlichen Aufklärungsbedarf.

„Stress pur, da bleibt wenig Zeit für Hygiene“, sind Sätze, die man in Gesprächen immer wieder hört, resümiert der Geschäftsführer von GWA Hygiene. Die Frage nach einem angemessenen Maß an Hygiene ist auch gar nicht einfach zu beantworten. Die WHO definiert Momente, die berücksichtigt werden müssen; zwei davon sind vor und nach dem Patientenkontakt: 30 Sekunden gründliche Desinfektion der Hände. Folgt man allen Empfehlungen, steht das oft für deutlich größeren Zeitbedarf, als der Arbeitsalltag zulässt. Dennoch ist es nicht akzeptabel, Arbeitsbelastung als Grund für Hygiene auf Mindestmaß zu verwenden. Kommt es zu Infektionen, wird die Arbeitslast im Nachhinein schließlich wesentlich größer.

Im Gespräch sind die entsprechenden Fachärzte und Hygienefachkräfte in der Regel sehr schnell von den Lösungen rund um die Hygiene überzeugt. Häufig steht das Hygieneteam hunderten oder sogar tausenden Mitarbeitern und noch viel mehr Patienten gegenüber, die es immer im Blick zu behalten gilt. Allerdings verfügt das Thema Hygiene meist nicht über Budget. Egal wie sinnvoll Investitionen erscheinen, erst müssen potente Befürworter gefunden werden. „Ich vergleich das gerne mit einem Arzt: Für Behandlungen erhält das Krankenhaus eine entsprechende Vergütung. Wenn aber die Hygieneverantwortlichen Infektionen vermeiden, taucht das nirgends als Wertbeitrag auf. Das ist das Wesen der Prävention: Was nicht stattgefunden hat, ist schwer messbar. Hoffentlich hat die Pandemie das nachhaltig verändert.“

Patienten erwarten Transparenz in Sachen Hygiene

Patienten möchten sich in eine sichere Umgebung hineinbegeben. Die fremden Hände sollten gemäß Hygienestandards sauber sein. Die Sorge vor einer Infektion mit einem sogenannten Krankenhauskeim gehört mit zu den größten Sorgen der Patienten. „Ich denke, hier wird eine gewisse Transparenz erwartet. Patienten möchten sehen, wie das Krankenhaus dasteht. Gerade bei elektiven Eingriffen fließen Themen wie Hygiene mit in die Entscheidung ein. Patienten gehen in Krankenhäuser mit guter Reputation“, begründet Tobias Gebhardt das Patientenverhalten. Sicherlich zählt für Patienten nicht jedes Detail, aber Krankenhäuser sollten sich die Frage stellen, wie sie ein gutes Gefühl schaffen können. „Wenn man Hygienemaßnahmen ergreift, die über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehen, wenn hier Ambitionen spürbar sind, fördert das das Vertrauen.“ Es gibt entsprechende Hygiene-Zertifikate, die gerne auch direkt im Eingangsbereich aufgehängt werden. Vielleicht fordern Patienten aber noch mehr Informationen. Dann ist es wichtig, aussagekräftig zu sein: Welche Daten werden erfasst, wie wird ausgewertet, welche Maßnahmen werden ergriffen?

Es ist durchaus mit dem Datenschutz vereinbar, Patienten Informationen und Vergleichsdaten zur Hygiene vorab zur Verfügung zu stellen: abstrakt, im Berufsgruppenvergleich, für die Gruppe der Pflege oder die Gruppe der Ärzte, der Therapeuten, der Reinigungskräfte etc. Denkbar ist auch ein Benchmark zu anderen Krankenhäusern in Deutschland. Tobias Gebhardt schätzt: „Das wird zunehmen. Letztlich ist es übrigens genauso wichtig, dass die Patienten sich an Hygienemaßnahmen halten. Jeder Kontaktpunkt mit dem Patienten sollte hier zur Aufklärung beitragen. Ein Patientenportal bietet sich dafür an.“